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Sneakery Stories - Rabea Schif


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Im Portrait: Rabea Schif

Stilexpertin auf Abwegen

Man sagt, Augen sind das Fenster zur Seele. Und das könnte kaum besser zu Rabea Schif passen, denn so facettenreich wie ihre Iris ist ihre Persönlichkeit: Auf ihrem Lebenslauf stehen – unter anderem – Stationen als Model, Anzeigen-Verkäuferin für ein Modemagazin und Moderatorin. Vor acht Jahren hat sie für die Liebe London gegen ihre Geburtsstadt Frankfurt eingetauscht und ist mittlerweile eine feste Größe in der deutschen Medien- und Kreativszene.

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Dein Lebenslauf liest sich wie ein buntes Potpourri. Wie hat das Ganze angefangen?

Nach der Schule wusste ich nicht genau, was ich machen wollte. Aber es sollte etwas Kreatives sein. Um mich auszuprobieren, habe ich mehrere Praktika in Frankfurt gemacht. Erst war ich bei einer Möbel-Design-Galerie, weil ich daran dachte Innenarchitektin zu werden. Dann war ich bei der Galerie Hirschmann, weil mein Vater Kunstsammler ist und ich mich immer für Kunst interessiert habe. Zum Schluss war ich bei Alexander Carroux, einem Fotografen, der sich auf Food Photography spezialisiert hat. Er hat mir unter anderem gezeigt wie viel Arbeit hinter einem vermeintlich einfachen Foto stecken kann und wie sogar ein simples Steak sein Styling braucht! Diese Prozesse fand ich wahnsinnig faszinierend. Mit 19 Jahren bin ich dann nach London gezogen.

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Das war 1998, vor den ganzen Gentrifizierungswellen. Wie war die Stadt zu der Zeit? Wie ist es heute dahin zurückzugehen?

Ich bin nach Notting Hill im Westen gezogen, weil mein Bruder dort wohnte. Das war vor dem Film und hatte nichts Schickes. Die Portobello Road war bunt und ziemlich rough, es gab viele Rastafaris und Musik überall. Studiert habe ich in East London, als es In-Viertel wie Shoreditch noch nicht gab. Damals gab es dort die Brick Lane, Little India und Arbeiterviertel. East und West London waren sich in der Hinsicht recht ähnlich, dass sich so viele soziale und kulturelle Milieus vermischt haben und das Unfertige seinerzeit Raum für kreative Subkulturen ließ. Wegen der Musik und der Architektur habe ich West London damals immer noch ein bisschen bunter wahrgenommen als den Osten.

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Ich habe dreizehn Jahre in London gelebt und es ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Das letzte Mal war ich vor sechs, sieben Jahren dort. Es hat sich so viel verändert, dass ich es kaum wiedererkannt habe. Das hat sich für mich sehr befremdlich und komisch angefühlt.

… in London ist man viel offener gegenüber interdisziplinärer Arbeit

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Wie hat dich London geprägt? Erzähl uns über deine Arbeit dort!

Kreativität wird sehr weit gefasst und in London ist man viel offener gegenüber interdisziplinärer Arbeit. Um etwas Kreatives zu studieren musste man erst ein Portfolio aufbauen. Das habe ich während einer einjährigen Foundation in Art and Design gemacht. Danach habe ich dann Design Studies an der London Guildhall University, heute Metropolitan University, studiert. Aber auch da konnte man aus unterschiedlichen Bereichen schöpfen: Ein bisschen Möbeldesign, ein bisschen Modedesign, Fotografie. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, eine bestimmte Sache zu beherrschen, sondern einen gesamtheitlichen Blick für das Besondere zu entwickeln, um aus verschiedenen Perspektiven damit zu arbeiten. Und damit kann man eigentlich alles machen, was mit kreativer Arbeit zu tun hat.

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Was hat dir diese Art der Ausbildung mitgegeben?

Während meines Studiums haben wir viele interessante und facettenreiche Aufgaben bekommen. Unter anderem mussten wir einen Spielplatz für einen Kindergarten bauen. Von Konzeption und Design über die Kommunikation mit der Schule, den Kauf der Materialen, bis hin zum Bau mussten wir alles selbst ausführen. Der Spielplatz steht sogar noch! Für meine Abschlussarbeit bin ich ähnlich multidisziplinär vorgegangen. Ich habe ein Artist Book gemacht, das die Geschichte eines Mannes erzählt, der im Schnee lief und neben seinen eigenen Fußabdrücken ein zweites Paar sah, das von Gott. Eines Tages waren diese Fußabdrücke verschwunden und er fragte Gott, warum er ihn verlassen habe. Daraufhin antwortete Gott, dass er ihn nicht verlassen, sondern in schweren Zeiten auf seinen Armen getragen habe. Diese Geschichte habe ich auf meiner Remington-Schreibmaschine, die ich heute noch habe, aufgeschrieben, habe die Bücher selbst gebunden, Fotos mit Winterlandschaften dafür gemacht, und anschließend wie einen Schatz vergraben. So wie an diese Arbeit gehe ich noch heute an meine Projekte heran, denn man kann eigentlich alles vielschichtig aufbereiten.

… wenn man passioniert ist, dann kann man alles verkaufen

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Nach deinem Studium hast Du auch für Magazine und Agenturen gearbeitet. Wie war das damals?

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Mein erster Job war in einer Agentur, die Fotografen wie Ellen von Unwerth und Mario Sorrenti vertrat. Dort habe ich unter anderem Stylisten wie Alister Mackie von AnotherMan und Venetia Scott betreut, die heute Fashion Director der britischen Vogue ist. Danach habe ich für das Magazin Exit Anzeigen und Advertorials verkauft. Wahrscheinlich hätte ich niemals im ganzen Leben Advertising Sales gemacht, denn ich war der festen Überzeugung, dass das einer der trockensten Jobs ist, den man machen kann! Aber ich habe das Magazin geliebt, und wenn man passioniert ist, dann kann man alles verkaufen. Damals habe ich auch Editorials mitproduziert, was ich super spannend fand. Zu meinen Favoriten gehört eine Paul Smith-Strecke, die wir in New York produziert haben. Meine Leidenschaft für Fotografie hat mich in der Zeit stets begleitet. Mein erster Fotoauftrag für ein Magazin war bei einem Konzert von Jill Scott, die ich fotografieren sollte – da war ich sehr stolz!

Ich bin ein kreativer Mensch und meine Kreativität drücke ich täglich am besten durch meine Mode aus

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Wie bist Du zur Moderation gekommen?

Während meiner Zeit in London habe ich viele berufliche Stationen gemacht. Ich war nicht nur als Managerin und Advertising Director tätig, sondern auch als Produzentin, Styling-Assistentin, Fotografin, Researcher und Model. Ich hatte das große Glück als Rechercheur für Koji Tatsuno zu arbeiten. Er ist Modedesigner, der mittlerweile für Isabel Marant arbeitet und schneidert. Ich durfte für ihn neue Trends aufspüren, Ideen für neue It-Pieces finden und Samples kaufen. Dafür war ich auch auf den Londoner Flohmärkten unterwegs, was wahnsinnig inspirierend war. Das war total mein Ding! Und dann gab es noch das Modeln und vor der Kamera stehen… Das war meine andere Lieblingsbeschäftigung. Ich war zu der Zeit in einer Casting-Agentur und habe in einigen Musikvideos und Fernsehwerbungen mitgespielt. Durch die Arbeit vor der Kamera habe ich meine Leidenschaft zur Moderation entdeckt. Es war mein damaliger Freund, der mich darauf gebracht hat, meine Liebe zur Arbeit vor der Kamera und meine Wissbegierde zu vereinen und es doch mal mit der Moderation zu versuchen. Statt nochmal zu studieren und eine journalistische Ausbildung zu machen, wollte ich lieber die Abläufe drum herum verstehen und begreifen, was etwa die Kamera und die Organisation machen. Deshalb habe ich mich bei Film-Produktionsfirmen beworben. Eine Frau, die mich für einen Produktionsjob interviewt hat, den ich letztlich nicht bekam, rief mich später an und fragte, ob ich nicht zu einem Casting für die Moderation einer neuen Online-Plattform kommen möchte. Ich hatte ihr gegenüber erwähnt, dass mich Moderation interessiert. Tatsächlich wurde ich dann als Moderatorin für „The Chic Fix“ gecastet, die als Internet-Sendung mit integrierter E-Commerce-Plattform seinerzeit wahnsinnig progressiv war. Sie wurde von Simon Fuller von 19 Entertainment, ins Leben gerufen, der damals Sendungen wie „American Idol“ oder „Pop Idol“ produziert hat. Da die Produktionsfirma später verkauft wurde, wurde „The Chic Fix“ eingestellt und ich bin kurze Zeit später zurück nach Frankfurt gezogen, wo ich dann unter anderem „Prominent!“ bei Vox moderiert habe.

Wie hat die Arbeit in der Kreativszene Londons dein Mode-Bewusstsein verändert?

London ist eine Modestadt, das ist Frankfurt nicht. In Frankfurt war Mode immer nebensächlich und vielleicht auch ein bisschen langweilig. In London zeigt man einfach Mut zur Mode. Man darf originell sein und fällt nie auf, egal, was man an hat. Ich bin dadurch viel mutiger geworden bin. Ich bin ein kreativer Mensch und meine Kreativität drücke ich täglich am besten durch meine Mode aus. Sie ist für mich eine Art äußeres Vehikel, um zu zeigen, wer ich bin. In Deutschland fehlt mir dieser Mut sich auszudrücken ein bisschen.

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Shoes make it or break it!

Vans
Superga
New Balance

Was haben Schuhe für dich für eine Bedeutung?

Schuhe sind für mich das wichtigste Accessoire in einem Outfit. Der Schuh kann alles verändern. Ob man einen Sneaker trägt oder einen hohen Schuh, es verändert die Körperhaltung und das Gefühl komplett. Ich hatte immer schon ein sehr emotionales Verhältnis zu Schuhen. Meine Mutter hat die Schuhe, in denen ich zum ersten Mal gelaufen bin, versilbern lassen. Sie stehen bis heute in meinem Elternhaus. Und sie hat mir noch zwei Paar Schuhe aus meiner Kindheit mitgegeben. Die Loafers würde ich sofort wieder anziehen, wenn es sie für Erwachsene gäbe!

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Welche Schuhe ziehst Du momentan gerne an? Was ist dir bei Schuhen am wichtigsten?

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Meine Lieblingsschuhe sind derzeit ein Paar Mary Janes mit ganz vielen Glitzersteinen. Sie machen einfach Spaß! Aber eigentlich laufe ich am liebsten barfuß, nur geht das natürlich nicht immer. Sneaker kommen dem dann am nächsten. Überhaupt ist Bequemlichkeit das Wichtigste. So schön die Schuhe sein mögen, sie müssen bequem sein und Freude machen.

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In Frankfurt laufe ich viel und fahre viel Fahrrad. Daher trage ich tagsüber gerne flache Schuhe, vor allem Sneaker. Vans gehören zu meinen liebsten Sneakern für den Alltag, und gerade habe ich entdeckt, wie bequem New Balance sind. Sonst trage ich gerne Schuhe mit kleinen Absätzen und Plateauschuhe. Stilettos trage ich eher selten.

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Ich mag den Bruch zwischen High Fashion und Street Wear und trage diesen Look selbst gerne und verbinde Sneaker mit schicken Outfits

Wie hat sich das Image von Sneakern in den vergangenen Jahren verändert?

Früher waren Sneaker rein praktische Gebrauchsgegenstände für Freizeit und Sport. Jetzt gibt es eine richtige Sneaker-Kultur. Es gibt Editionen von bestimmten Marken und Designern, die zu echten Objekten der Begierde geworden sind. Sneaker gehören mittlerweile in jeden guten Kleiderschrank und stehen neben High Fashion und Couture.

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Ein Sneaker kann ein richtiges Fashion Statement sein. Ich mag den Bruch zwischen High Fashion und Street Wear und trage diesen Look selbst gerne und verbinde Sneaker mit schicken Outfits. So kann man leicht ein Abendkleid, einen Anzug oder schickere Hosen alltagstauglich machen. Die neuen Farb- und Materialoptionen, wie bei Superga, passen da natürlich super.

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Und es gibt nach wie vor einen Retro-Trend. Die ganzen Looks, die in meiner Kindheit cool waren, Vans und Chucks, die sind alle wiedergekommen.

Vielleicht passt es ja genau deshalb gut, dass es dich nach 13 Jahren in London wieder nach Frankfurt zurück verschlagen hat?

Wäre es nicht wegen der Liebe gewesen, hätte ich es wohl nicht gemacht, und es war gefühlt die schwerste Entscheidung meines Lebens.

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Ich war wahnsinnig nervös und dachte die ganze Zeit: Was mache ich hier? Ich will wieder zurück! Ich hatte ganz starkes Heimweh nach London. Aber dann ist man so beschäftigt mit dem Umzug und dem Leben, dass man gar nicht richtig darüber nachdenken kann. Es war auch ein komisches Gefühl in meine Geburtsstadt zurückzuziehen, die ich bisher nur mit meinem Elternhaus in Frankfurt Niederrad verbunden hatte. Zum ersten Mal lebte ich nun im Stadtzentrum von Frankfurt, erst an der Konstabler Wache und dann im Bahnhofsviertel. Das war schon ungewohnt für mich. Aber wenn ich hier abends das Fenster aufmache, afrikanische oder arabische Musik draußen spielt und ich lauter verschiedene Sprachen höre, hat das dann doch ein bisschen London Flair.

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Instagram ist wie eine Visitenkarte, und man muss sich überlegen, wie man sich der Welt visuell präsentiert

Hast Du Dinge in deiner Wohnung, die dir besonders viel bedeuten?

Das Bild vom Wald im Wohnzimmer gehört zu meinen liebsten Kunstwerken. Es besteht eigentlich aus A4-Seiten aus einem Kunstbuch von Misha de Ridder, die man wie ein Puzzle selbst zusammenkleben muss, was wahnsinnig mühselig und zeitaufwendig ist. Wenn ich ehrlich bin, habe ich es erst beim zweiten Anlauf geschafft. Aber es hat sich total gelohnt, finde ich!

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An der Wand hängen Kunstwerke, die mir mein Vater geschenkt hat, Bilder, die ich über Jahre gesammelt habe, wie z.B. ein Foto von Serge Gainsbourg und meiner absoluten Stil-Ikone Jane Birkin. Die “Circle Press”-Arbeit von Ronald King, die er mir geschenkt hat, als ich während meines Studiums ein Praktikum bei ihm gemacht habe, liegt mir auch besonders am Herzen.

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Und meine Plattensammlung aus London natürlich! Das sind Gegenstände, die eine Station in meinem Leben in sich tragen und mit nahestehenden Menschen und Erinnerungen verbunden sind.

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Ich möchte für mein Mode- und Trend-Gespür wahrgenommen werden, in gewisser Weise vielleicht so etwas wie ein Stil-Vorbild sein

Schon in London hast Du mit dem Moderieren angefangen. Mittlerweile bist Du viel mehr – Moderatorin, Designerin, und in gewisser Weise für manche auch Influencerin. Wie möchtest Du gesehen werden und wie beeinflussen dich die sozialen Medien?

Ich möchte für mein Mode- und Trend-Gespür wahrgenommen werden, in gewisser Weise vielleicht so etwas wie ein Stil-Vorbild sein. Aber ich möchte auch gerne wieder kreativ sein, selbst Hand anlegen und mich in Mode versuchen. Momentan arbeite ich an einer Kollaboration mit der Illustratorin Kristina Suvorova. Wir designen gemeinsam T-Shirts und Schmuck, was eine neue Herausforderung ist, weil wir uns in Abläufe wie Organisation und Produktion einarbeiten müssen. Außerdem will ich meine eigenen Jeans und Anzüge entwerfen. Früher war ich „einfach nur“ Moderatorin, das war alles ein bisschen einfacher. Heute sind soziale Medien unabdinglich geworden. Instagram ist wie eine Visitenkarte, und man muss sich überlegen, wie man sich der Welt visuell präsentiert.

Hier geht es zu Rabea Schifs Instagram-Profil.

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Das hat positive und negative Seiten. Ich finde es auf der einen Seite schön, dass man mehr zeigen kann und eine größere Reichweite hat. Auf der anderen Seite ist der Druck furchtbar. Ich gehöre zu einer Generation, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist, und der Gedanke, dass alles, was dort passiert für immer bleiben wird, ist erschreckend. Davor habe ich große Ehrfurcht. Ich mache mir sehr viele Gedanken und es macht mich etwas unsicher. Wenn es nicht zu meinem Beruf dazugehören würde, würde ich mich wahrscheinlich komplett aus den sozialen Medien abmelden.

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Ich habe alles in meinem Leben gemacht, mir jeden Traum erfüllt, gefeiert, wie ich wollte

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Du bist gerade 40 Jahre alt geworden. Wie hat dich das Älterwerden verändert?

Man hat eine ganz andere Distanz zu Dingen, die früher unfassbar wichtig waren und entwickelt eine gewisse Gelassenheit. Ich habe das große Glück, dass ich noch sehr jung aussehe. Aber ich bin tatsächlich 40 und ich habe auch die Erfahrung einer 40-Jährigen. Manchmal kann ich gar nicht glauben, was ich alles schon erlebt habe, dass ich schon 13 Jahre in London gewohnt habe und seit fast 10 Jahren wieder in Frankfurt bin. Ich denke die ganze Zeit: Wann ist das alles passiert? Ich komme gar nicht mehr hinterher. Ich habe alles in meinem Leben gemacht, mir jeden Traum erfüllt, gefeiert, wie ich wollte. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

Vielen Dank für das nette Gespräch, liebe Rabea!