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Sneakery Stories - Julieta Benito Sanz


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Julieta Benito Sanz

Mutter, Architektin
& Gründerin

Die gebürtige Spanierin empfängt uns in ihrer Wohnung in Berlin und redet mit uns über das Gründen und Scheitern, Neuanfänge, zwei sehr unterschiedliche Mutter-Erfahrungen und warum es manchmal gut ist, wenn Dinge anders laufen als geplant.

Das erste Mitglied der Familie Benito-Lachmann, das wir kennenlernen, ist gleichzeitig auch sein kleinstes: schwanzwedelnd springt der kleine Terrier Levi uns entgegen, als wir gerade dabei sind, das Treppenhaus zu Julietas Wohnung im Prenzlauer Berg hochzulaufen. Er führt uns zielstrebig in den zweiten Stock, wo auch schon der zweite Teil des Willkommenskomitees auf uns wartet. Cloe, die älteste Tochter, steht an der halboffenen Tür und quittiert unsere Ankunft mit einem neugierigen Blick. Im Flur erwartet uns die 38-jährige Julieta, ihr Baby Olivia im Arm, und als kurz darauf auch der fast zwei Meter große Dirk aus der Küche marschiert kommt, ist die Familie komplett.

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Es ist immer viel los in diesem Haus – was sich bei unserer Ankunft angedeutet hatte, wird umso klarer, als wir uns für das Interview ins Wohnzimmer setzen. Olivia will an die Brust; Cloe versucht ihre Mutter davon zu überzeugen, mittags zu ihrem Lieblingsjapaner zu gehen; und Levi flitzt unermüdlich zwischen Küche und Sofa hin und her. Doch während sich um sie herum das ganz normale Alltagschaos entfaltet, sitzt Julieta wie ein Fels in der Brandung und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Diese grundlegende Gelassenheit und ihre Art, Herausforderungen als Chance zu sehen, um über sich hinauszuwachsen, prägt ihre Lebensgeschichte und ist wahrscheinlich ihr größtes Erfolgsgeheimnis – ob als Mutter, Partnerin, oder Unternehmerin.

Julieta, erzähl uns kurz wo du herkommst, und wie du in Berlin gelandet bist.

Ich komme aus Spanien, genauer gesagt aus Madrid, und lebe mittlerweile seit 15 Jahren in Deutschland. Ich bin 2007 als Architekturstudentin mit einem Erasmusstipendium hergezogen, und hatte geplant ein Jahr zu bleiben. Kurz nach meiner Ankunft habe ich gemerkt: ich schaffe in einem Jahr nicht alles, was man in Berlin machen kann, ich muss länger bleiben! Also habe ich mein Stipendium um ein weiteres Jahr verlängert. Dann habe ich Dirk kennengelernt, und bin irgendwie nie wieder zurückgegangen.

Warum hast du dir damals Berlin ausgesucht? Kanntest du die Stadt schon?

Nein. Ich hatte damals nur ein Bild im Kopf, eine bestimmte Erwartung an die Stadt. Dann kam ich an und war am Anfang etwas verwirrt – vor zehn Jahren war Berlin ein bisschen anders als heute, ein bisschen grauer, ein bisschen tougher. Es war nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber gerade deswegen hat es mir gut gefallen.

Was hattest du denn für ein Bild im Kopf? Wonach hast du gesucht?

Das ist schwer zu sagen. Die Freiheit, die alternative Seite der Stadt, ein Ort, wo alles ein bisschen anders läuft als in Spanien.

Was war die größte Umstellung für dich nach dem Umzug? Was war anders als erwartet?

Das Schwierigste war natürlich die Sprache. Was mich sehr positiv überrascht hat waren die Leute. Ich hatte dieses Bild von den Deutschen als nicht besonders offen, und nicht sehr freundlich – aber meine Erfahrung war komplett anders. Ich habe sofort Leute kennengelernt, und sie waren alle extrem offen und nett.

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Wann kam für dich der Moment, an dem du gedacht hast: jetzt fühle ich mich hier wirklich Zuhause?

Fühle ich mich denn überhaupt schon Zuhause hier? Eigentlich schon, aber es ist eher andersherum: wenn ich in Spanien bin, dann fällt mir auf, wie einfach dort alles ist. Es gibt eine kulturelle Verbindung, die Leute haben die gleiche Vorstellung davon, wie bestimmte Dinge funktionieren, wie ich. In dem Moment wird mir erst bewusst, dass ich hier in Deutschland ganz andere Herausforderungen habe. Dann bin ich ein bisschen stolz auf mich und denke: wow, stimmt, da wo ich wohne, ist nicht alles einfach, und ich werde nicht von allen Seiten sofort verstanden. Aber das ist vielleicht auch nicht nötig.

Wie war das mit der Sprache? Hast du sofort angefangen, Deutsch zu lernen? Du wusstest ja damals nicht, dass du so lange hierbleiben würdest. Hast du das von Anfang als als Priorität gesehen?

Ich hatte in Spanien sechs Monate lang Deutsch gelernt, aber am Anfang habe ich trotzdem mit allen Englisch gesprochen. Dann war das Erasmusjahr vorbei und alle Studenten sind wieder zurückgegangen, und irgendwann wurde mir klar, dass ich mit Dirk ganz hierbleiben würde. Also habe ich zu ihm gesagt: damit ich mich hier richtig integriere, musst du Deutsch mit mir sprechen. Das hat er dann auch getan. Ich hätte wahrscheinlich nur eine halbe Stunde durchgehalten, aber Dirk ist standhaft geblieben und ist einfach nicht darauf eingegangen, wenn ich versucht habe auf Englisch zurückzugreifen. Das war der Moment, an dem ich einen großen Sprung vorwärts gemacht habe.

Wie lange wart ihr zu dem Zeitpunkt schon zusammen?

Ungefähr drei Jahre.

Das ist interessant – vielen Pärchen, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen, fällt es nachträglich sehr schwer, von ihrer "Kennenlernsprache" auf eine andere zu wechseln. Wie ist es euch gelungen?

Mich wundert das auch. Dirk hat parallel sogar angefangen, Spanisch zu lernen – bevor er mich kennengelernt hat, konnte er kein Wort Spanisch. Jetzt sprechen wir beides, und wir wechseln zwischendurch. Nur wenn wir uns streiten passiert es manchmal, dass ich auf Spanisch rede und Dirk auf Deutsch. Man fühlt sich sonst immer ein bisschen benachteiligt, wenn man nicht genau das sagen kann, was man meint.

Die Leute kommen; sind zwei Jahre hier; merken, dass sie ausgepowert sind; und gehen dann wieder.

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Gab es sonst noch Herausforderungen, die euch aufgrund eurer unterschiedlichen Herkunft begegnet sind? Hattet ihr das Gefühl, in grundsätzlichen Dingen sehr anders zu ticken?

Auf jeden Fall. Ich denke aber, dass die Kombination "deutscher Mann" und "spanische Frau" irgendwie gut funktioniert. Ich kenne mittlerweile mehrere Pärchen, wo die Frau Spanierin ist und der Mann Deutscher, und bei denen es sehr gut klappt. Andersherum kenne ich auch viele, und das funktioniert nicht so gut, da scheint die Balance nicht zu stimmen.

Ihr habt also auch einen kulturell gemischten Freundeskreis – ist das automatisch passiert, oder hast du aktiv danach gesucht?

Wir haben viele spanische Freunde, auch dank Cloe – sie war auf einer deutsch-spanischen Kita, und dort haben wir ganz viele gemischte Pärchen kennengelernt. Wir haben auch ganz viele internationale Freunde – aber leider ist es so, dass viele Leute nach Berlin kommen, und irgendwann wieder gehen. Damit muss man leben, wenn man so lange hier ist wie ich. Die Leute kommen; sind zwei Jahre hier; merken, dass sie ausgepowert sind; und gehen dann wieder. Das ist mir schon ganz oft passiert.

Und kam bei dir nie dieser Moment?

Doch klar, jedes Jahr im November, wenn die Uhr umgestellt wird – dann frage ich mich, was ich hier noch mache. (lacht)

Erzähl uns was über deine berufliche Laufbahn – du bist ausgebildete Architektin, aber du hast auch schon viele andere Tätigkeiten ausgeübt. Wie hat sich deine Karriere entwickelt?

Schon während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich nicht als reine Architektin arbeiten möchte. Als ich fertig war, habe ich hier in Berlin zuerst im Verkauf gearbeitet, bei Andreas Murkudis. Dann wurde ich schwanger, Cloe wurde geboren, und statt zurückzugehen, habe ich mich als Interior-Designerin selbstständig gemacht. Aber ich hatte immer den Traum, einen eigenen Laden zu besitzen. Also habe ich 2013 zusammen mit zwei spanischen Freundinnen einen Concept Store für spanische Produkte eröffnet, Silo. Das war ein sehr schönes Projekt und hat großen Spaß gemacht, aber es ist leider so, dass kleine Läden wie unserer nicht wirklich zukunftsfähig sind, also mussten wir den Laden vor anderthalb Jahren schliessen. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich sehr verändert, die Leute kaufen viel online, also reicht es nicht mehr, einen kleinen Laden aufzumachen.

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Was hast du dir davon erhofft, deinen eigenen Laden zu führen? Wie sah die Vision dahinter aus?

Unser Gedanke war folgender: wir hatten das Gefühl, dass in Spanien die Leute so viel wie möglich und so billig wie möglich kaufen wollen. Das ist zwar hier auch so, eigentlich überall, aber dort noch stärker. Es wird kein Wert mehr auf die Qualität der Produkte gelegt, und wenn Dinge kaputtgehen, dann ist das gut, weil man dann noch mehr kaufen kann. Wir hatten das Gefühl, dass hier in Deutschland etwas mehr Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit gelegt wird. Und da wir wussten, dass es in Spanien tolle Marken gibt, und tolle Produkte, die aber dort teilweise nicht funktionieren, weil die Leute sie für zu teuer halten – sie verstehen nicht, dass Dinge, die in Europa bzw. in Spanien produziert werden, teurer sind – haben wir gedacht, dass es schön wäre, diesen Marken die Möglichkeit zu geben auf einem anderen Markt präsent zu sein, wo sie eventuell bessere Chancen haben.

Einen Laden zu betreiben mit alledem, was dazugehört, also auch der Kundenkontakt und die ständige Präsenz – war das eine durchweg positive Erfahrung?

Total. Da zu sitzen, in dieser kleinen Welt, die du dir aufgebaut hast, umringt von diesen ganzen schönen Dingen – ich finde es sehr wichtig, dass man die Sachen anfassen kann – das war ein Traum. Dass Leute reinkommen, sie die Sachen schön finden, und man sich mit ihnen unterhalten kann, das war super, das wollten wir auch unbedingt so machen.

Doch klar, jedes Jahr im November, wenn die Uhr umgestellt wird – dann frage ich mich, was ich hier noch mache.

Wie habt ihr Drei euch kennengelernt, und wie kam es dazu, dass ihr beschlossen habt, zusammen zu gründen?

Wir haben uns durch die Kinder kennengelernt, auf dem Spielplatz. Nachdem wir uns ein paar Mal getroffen hatten, kam uns die Idee für den Laden, und die haben wir immer weiterentwickelt, und irgendwann haben wir gesagt: komm, wir machen das! Wir kannten uns damals noch nicht sehr gut, aber das war keine Hürde für uns, eher im Gegenteil. Mittlerweile sind wir sehr gute Freundinnen geworden.

Was waren die größten Herausforderungen in der Beziehung zu den anderen Gründerinnen?

So wie immer, wenn man zusammenarbeitet, hatten wir bei bestimmten Dingen unterschiedliche Meinungen und Herangehensweisen. Ich habe von mir selber gemerkt, dass irgendwo in mir ein kleiner Kontrollfreak schlummert, was mir vorher nicht so bewusst war. Aber die Zusammenarbeit hat im Endeffekt super geklappt, und wir haben Meinungsverschiedenheiten eigentlich eher als positiv empfunden, weil sie uns weitergebracht haben.

Wie und wo habt ihr nach neuen Produkten für Silo gesucht?

Ich bin mit dem Auto durch Spanien gereist und habe mir Tipps von Leuten geben lassen. Junge Designer haben wir oft durch Freunde kennengelernt, und für die traditionellen Handwerksprodukte sind wir in Dörfer gefahren, die auf ein konkretes Handwerk spezialisiert sind, zum Beispiel Körbe oder Schuhe, und haben sie gefragt ob sie bereit wären, ihre Sachen nach Deutschland zu schicken.

Was würdest du anders machen, wenn du heute mit dem Projekt von vorne anfangen würdest?

Ich denke nicht, dass Silo ein abgeschlossenes Projekt ist, sondern dass es in anderer Form weitergehen könnte. Aber das normale Verkaufen, in einem kleinen Laden, ist irgendwie obsolet. Man muss neue Konzepte finden für physische Läden, in denen es nicht nur ums Kaufen geht, sondern wo man den Leuten auch ein Erlebnis bieten kann. Wenn wir ein gutes Konzept finden könnten, dann würde ich das gerne weitermachen. Ich habe den Kontakt zu den ganzen Marken ja immer noch, und für uns ist das Projekt nicht abgeschlossen.

Man muss neue Konzepte finden für physische Läden, in denen es nicht nur ums Kaufen geht, sondern wo man den Leuten auch ein Erlebnis bieten kann.

Wie alt war Cloe als ihr Silo eröffnet habt? Wie hast du deine zwei Rollen als Mutter und Gründerin unter einen Hut gebracht?

Cloe war damals drei Jahre alt. Ich hatte das große Glück, dass Dirk auch wirklich ein zu fünfzig Prozent engagiertes Elternteil ist, und es deswegen relativ einfach war, sich zu organisieren. Dirk ist selbstständig, deswegen konnten wir uns sehr gut aufteilen. Das war bei uns nie ein Problem, sondern es hat immer gut funktioniert.

Als ihr erfahren habt, dass ihr ein Kind etwartet, hast du ja schon weit weg von deiner Familie gelebt – wer waren deine Bezugspersonen während der ersten Zeit? Hattet ihr andere Eltern in eurem Freundeskreis?

Ich war gerade 28 geworden, und damals hatte noch niemand in unserem Freundeskreis Kinder, weder hier in Berlin noch in Madrid. Wir waren die Ersten. Aber im Vergleich zu Spanien hat man in Deutschland Anspruch auf eine Hebamme, die vor allen Dingen am Anfang ganz viel mit praktischen Dingen hilft. Und sonst lernt man ja auch ganz schnell andere Eltern kennen, die dann zu Ansprechpartnern werden. Aber wir haben mit Cloe ziemlich viel "gefreestyled". Wir haben nie ein Buch gelesen, wir haben nie auf einer Webseite nachgeschaut, wir haben einfach gemacht. Mit Olivia merke ich erst, wie viel Information überall zur Verfügung steht, vielleicht ein bisschen zu viel. Je mehr man liest, desto schneller fängt man an sich zu fragen, ob man die Dinge richtig oder falsch macht. Mit Cloe war das anders, obwohl das gar nicht so lange her ist – damals hatten wir keine zehn Apps mit Informationen über Babynahrung. Damals war alles viel lockerer.

… damals hatten wir keine zehn Apps mit Informationen über Babynahrung. Damals war alles viel lockerer.

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Je mehr man liest, desto schneller fängt man an sich zu fragen, ob man die Dinge richtig oder falsch macht.

Hast du das Gefühl, dass du dich mit Olivia mehr informierst, und mehr vergleichst?

Ja. Irgendwie schon. Ich denke, dass wir es mit Cloe nicht so schlecht gemacht haben, aber mit Olivia habe ich mir vorgenommen, bestimmte Dinge etwas bewusster zu machen. Ihre Ernährung, was ich ihr kaufe, welche Anziehsachen sie trägt, wo sie produziert wurden, und aus welchem Material sie sind... Das war damals kein so großes Thema für mich, und heutzutage denke ich insgesamt viel mehr an solche Sachen.

Vor der Gründung von Silo hast du ja eine Zeit lang mit Dirk zusammengearbeitet, in der Immobilienbranche – wie war diese Erfahrung?

Vor der Krise gab es eine Art Immobilienboom in Berlin, und in Spanien genauso. Damals war es sehr günstig, hier Eigentumswohnungen zu kaufen, also sind viele Leute aus Spanien auf uns zugekommen und haben uns darum gebeten, ihnen beim Kauf zu helfen. Da ich Architektin bin und Dirk Jura studiert hat, hat das in der Kombination sehr gut gepasst, also haben wir angefangen Leute zu beraten, die hier was kaufen wollten – aber das war keine bewusste Entscheidung, sondern es hat sich einfach so ergeben! Wir hätten vorher nie gedacht, dass wir irgendwas mit Immobilien machen würden. Dann haben wir selber auch ein Gebäude gekauft, das wir saniert und vermietet haben.

Und wie war die Erfahrung, mit deinem Partner zusammenzuarbeiten?

Das hatte natürlich seine komplizierten Momente, aber wir konnten das eigentlich gut trennen – ich besser als Dirk, glaube ich. Wenn man bei der Arbeit ist, ist man bei der Arbeit, und die Diskussionen die in diesem Rahmen entstehen darf man nicht mit nach Hause nehmen. Zuhause ist man glückliches Pärchen, und nicht Arbeitskollegen, die sich gerade gestritten haben. Das muss man erst einmal lernen und üben, aber wenn man das kann, dann funktioniert das ganz gut. Ich habe es genossen so viele Stunden mit Dirk zu verbringen, sonst sieht man sich als Paar ja manchmal sehr wenig.

Zuhause ist man glückliches Pärchen, und nicht Arbeitskollegen, die sich gerade gestritten haben.

Oft lernt man im Arbeitskontext auch ganz neue Seiten seines Partners kennen – wie war das bei euch? Hast du durch die Zusammenarbeit mit Dirk neue Dinge über ihn gelernt?

Ja, aber leider nicht nur gute (lacht). Man entdeckt auch Seiten, von denen man froh darüber ist, dass sie Zuhause normalerweise nicht zum Vorschein kommen.

Du hast am Anfang deiner Zeit in Berlin als Interior-Designerin viele Wohnungen für andere Leute gestaltet – wie hat sich denn dein eigener Stil in den letzten Jahren entwickelt?

Ich würde zwischen meinem beruflichen und privaten Stil unterscheiden. Hier Zuhause finde ich, dass der Stil sich aus der Kombination mit Dirk entwickelt. Es würde ganz anders aussehen, wenn er nicht auch hier leben würde. Man muss sich ja immer absprechen, und wir haben nicht immer die gleiche Meinung. Bei manchen Dingen denke ich: was ist das denn? Das hätte ich nie im Leben gekauft, oder hingestellt – aber jetzt wo es da steht, finde ich es toll! Und beruflich entwickelt sich mein Stil dadurch, dass ich ständig neue Firmen und Materialien entdecke.

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Erzähl uns noch etwas zu eurer tollen Wohnung: wie lange wohnt ihr hier schon? Wie seid ihr zu der Wohnung gekommen?

Wir wohnen seit vier Jahren hier. Davor haben wir am Kollwitzplatz gewohnt, wir hatten 2006 dort eine Wohnung gekauft, als es noch relativ bezahlbar war. Die Wohnung war ein sanierter Altbau, eigentlich ganz schön, aber ich wusste von Anfang an, dass es nicht meine Traumwohnung ist. Sie hatte wenig Zimmer, alle groß, und war relativ dunkel. Unter uns hatte ein Zahnarzt seine Praxis, und irgendwann hat er uns angeboten, die Wohnung zu kaufen, weil er seine Praxis erweitern wollte. Also haben wir angefangen zu suchen, und als wir diese Wohnung gesehen haben – eigentlich waren es zwei Wohnungen, die dann zusammengelegt wurden – wusste ich sofort: die ist es. Das Licht, die vielen Fenster, dieses eine Zimmer hinten, das nicht mit dem Flur verbunden ist... Da waren Dirk und ich uns auch sofort einig.

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Hast du deine Möbel aus Madrid mit nach Berlin genommen? Oder habt ihr alles neu gekauft?

Als wir in die Kollwitzstraße gezogen sind, hatten wir fast nichts. Dirk hat in einer WG gewohnt, in einem Zimmer mit einem Hochbett, und seine fünf Kleidungsstücke lagen zusammengeknüllt in einer Ecke. Wir haben nur seine Matratze mitgenommen, also war die neue Wohnung am Anfang komplett leer – wir sind mit unseren Fahrrädern durch die Zimmer gefahren. Erst nach und nach haben wir Möbel gekauft. Für unsere jetzige Küche haben wir Zementfliesen aus Spanien importiert. Jede Fliese wiegt zwei Kilo! Ein paar unserer Möbel kommen aus dem Haus meiner Großeltern in Madrid. Ansonsten hat Dirk ganz viele Dinge selber gebaut – er ist leidenschaftlicher Tischler. Die Küche hat er komplett selbst gebaut, in seiner Werkstatt in der Brunnenstraße.

Wir haben nur seine Matratze mitgenommen, also war die neue Wohnung am Anfang komplett leer – wir sind mit unseren Fahrrädern durch die Zimmer gefahren.

Julieta, welche Schuhe hast du dir aus dem Sneakery Store ausgesucht?

Die FILA Cage S Sneaker in mint. Solche Fila-Schuhe hatten früher die coolen Gang-Mädchen aus meiner Schule. Ich war damals weder "cool" noch "Gang", aber ich wollte es unbedingt sein. Also habe ich mich total gefreut, als ich die Schuhe wiederentdeckt habe!

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Und dann noch die Liebeskind Slip On Sneaker mit dem Herz-Print, aber die haben Cloe so gut gefallen, dass sie sie selbst behalten hat. Wir haben die gleiche Schuhgrösse, und manchmal "leiht" sie sich Schuhe von mir – wenn ich mal ein Paar suche und nicht finde, dann schaue ich immer zuerst in ihrem Zimmer nach (lacht).

Und an welchem Paar aus deiner persönlichen Sammlung hängst du besonders?

Diese Converse habe 1994 in Kanada gekauft, als ich den Sommer in einem Feriencamp verbracht habe. Ich war damals 14 und hatte die Schuhe vorher noch nie gesehen – in Spanien waren sie noch nicht sehr verbreitet –, aber auf dem Camp haben fast alle sie getragen. Also habe ich mir vor der Abreise auch welche gekauft, und seitdem hüte ich sie wie einen Schatz. Mittlerweile trage ich sie nur noch selten, damit sie so lange wie möglich halten. Wer weiß, vielleicht wird sie Cloe sie auch irgendwann tragen, wenn sie 14 ist!

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Ihr fahrt bald zusammen nach Japan – das wird eurer erster langer Trip als vierköpfige Familie, oder? Wie habt ihr die Reise organisiert? Und was habt ihr geplant um den langen Flug mit Olivia zu meistern?

Wir haben nicht viel vorbereitet. Mal gucken was kommt. Olivia beschäftigt sich sowieso nicht länger als zwei Minuten mit einer Sache... Wir werden wahrscheinlich weniger sehen als wenn wir alleine fahren würden, aber dafür wird alles ein bisschen langsamer sein, was ich gut finde. Mit Kindern muss man das Tempo ein bisschen runterschrauben. Ich habe die Reise ziemlich durchgeplant, aber erst wenn wir dort sind wird sich zeigen, ob alles so klappt wie wir es uns vorstellen.

Mit Kindern muss man das Tempo ein bisschen runterschrauben.

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Hast du das Gefühl, dass du insgesamt einen langsameren Rhythmus hast, seit du Mutter geworden bist?

Es geht wahrscheinlich in beide Richtungen, alles wird extremer. Mit einem Kind muss man sich vornehmen, einen ganz anderen Rhythmus zu leben. Ich mache das ganz aktiv – wenn ich eine Stunde lang alleine bin, muss ich in der kurzen Zeit hundert Sachen erledigen, E-Mails beantworten etc., und alles muss schnell passieren. Wenn ich wieder bei Olivia bin, versuche ich das Handy beiseite zu legen und mich wieder auf ihren Rhythmus einzustellen. Aber manchmal ist es schwierig, in kurzer Zeit drei Gänge runterzufahren.

Wenn ich wieder bei Olivia bin, versuche ich das Handy beiseite zu legen und mich wieder auf ihren Rhythmus einzustellen.

Du bist auf Instagram sehr aktiv, postest viele Fotos deiner Töchter mit aufwendig komponierten Szenerien, die oft märchenhaft wirken – welche Bedeutung hat die Plattform für dich?

Ich bin seit ungefähr drei Jahren auf Instagram, wobei ich am Anfang nur Alltagsbilder gepostet habe. Wie jedes soziale Netzwerk hat es zwei Seiten – auf der einen gibt man sehr viel Persönliches Preis, auf der anderen habe ich dadurch viele Leute kennengelernt und mich mit ihnen verbunden gefühlt. Irgendwann habe ich angefangen, nicht nur Fotos vom Alltag zu machen, sondern auch mit dem Medium zu spielen. Das mache ich nur für mich, es hat kein wirkliches Ziel. Cloe findet diese Kompositionen sehr lustig und möchte oft mitmachen, und sie hat selber viele Ideen. Ich finde es schön, dass die Mädchen später nicht nur normale Portraits haben werden, sondern auch andere, kreativere Bilder. Aber wenn ich Fotos von Cloe poste, dann frage ich sie vorher immer. Ich möchte das nicht ohne ihre Erlaubnis machen. Wenn sie mir irgendwann sagen sollte, dass sie nicht mehr auf meinen Bildern auftauchen will, oder dass ich die Fotos löschen soll, dann würde ich das auch machen.

Aber wenn ich Fotos von Cloe poste, dann frage ich sie vorher immer. Ich möchte das nicht ohne ihre Erlaubnis machen.

Hattest du jemals Zweifel, Fotos deiner Töchter ins Internet zu stellen und dadurch öffentlich zugänglich zu machen?

Am Anfang nicht, da war mein Account auch noch privat. Damals sind mir nur Bekannte gefolgt. Und als der Account etwas größer wurde, habe ich darüber nachgedacht und mit Dirk gesprochen. Was finden wir ok, und was nicht? Welche Gründe hätten wir, die Fotos der Kinder nicht zu posten? Andere Menschen fühlen sich von Anfang an nicht wohl dabei, aber das war bei mir anders, für mich war es ganz natürlich. Trotzdem wollte ich das aus einer rationalen Perspektive infrage stellen und mir klar darüber werden, welche Nachteile oder Konsequenzen das haben könnte. Und die Schlussfolgerung war, dass ich es machen möchte. Manchmal habe ich trotzdem ein komisches Gefühl dabei – wenn man ein Foto hoch lädt und 300 Likes bekommt, dann wird einem plötzlich bewusst, welche Reichweite diese Bilder haben können. Trotzdem hat Instagram für mich viel mehr Vorteile als Nachteile. Als ich unsere Japanreise geplant habe, haben mir viele Leute, die dort leben, Tipps gegeben, und einige davon werde ich auch persönlich treffen. Das passiert alles nicht, wenn man einen privaten Account hat.

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Wie geht ihr eigentlich mit der Internetnutzung eurer Tochter Cloe um? Darf sie alleine ins Netz? Wo setzt ihr Grenzen?

Es ist schwierig. Unsere Kinder müssen ja ins Internet gehen, ich möchte das auch, die wachsen damit auf – es bring nichts, es einfach komplett zu verbieten. Aber es ist auch eine riesige Büchse der Pandora. Mit Cloe haben wir klare Regeln aufgestellt – sie hat einen eigenen Zugang auf meinem Laptop, und ein eigenes Pinterest Konto, das findet sie ganz toll. Sie bastelt und malt sehr gerne, und dort findet sie immer viele Ideen. Sie darf eine halbe Stunde am Tag am Laptop sitzen – entweder etwas gucken, oder auf Pinterest gehen. Wir haben auch eine Kindersperre installiert. Ich weiß nicht genau was die filtert, oder wie sie funktioniert, aber wir probieren das jetzt aus.

Hat sie schon ein eigenes Handy?

Nein, noch nicht. Aber in der Schule haben fast alle ein Handy. Mehr und mehr Kinder haben auch schon ein Smartphone. Nur 25% der Kinder haben kein Telefon, und Cloe gehört dazu. Wir hatten ihr immer gesagt, dass sie mit 12 ein Handy bekommen würde, aber wir sind uns nicht mehr sicher, ob wir wirklich so lange warten können. Wenn es sich irgendwann doch etabliert, dass alle anderen Kinder eins haben, möchte ich sie nicht als Einzige davon abhalten. Das kann auch kontraproduktiv sein – wenn sie dann tatsächlich eins bekommt, wird sie wahrscheinlich nichts anderes mehr machen wollen, weil sie sich so lange darauf gefreut hat. Ihre Schulkameraden sind jetzt neun und haben fast alle ein Handy – wahrscheinlich dauert es nicht mehr so lange, bis sie auch eins bekommt. Hauptsache man findet eine Balance.

Mehr und mehr Kinder haben auch schon ein Smartphone.

Wendet ihr diese Philosophie auch in anderen Bereichen an?

Auf jeden Fall. Etwas komplett zu verbieten – seien es Barbiepuppen oder McDonalds – bringt nicht viel, das macht die Dinge umso begehrenswerter. Ich erkläre ihr meinen Standpunkt dazu, und wenn sie es trotzdem unbedingt will, dann darf sie es auch machen. Oft sieht sie dann im Nachhinein auch ein, dass es doch nicht so toll ist wie sie dachte. Und zum Glück passiert es nicht so oft, dass sie Dinge machen will, die ich auf keinen Fall erlauben würde.

Es wird oft über die Schwierigkeit geredet, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, aber nur selten wird hinterfragt, ob dieses Gleichgewicht tatsächlich gewünscht wird. Ist es nicht eher so, dass die zwei Bereiche individuell ganz unterschiedlich priorisiert werden? Wie sieht es bei dir aus?

Ich glaube ich brauche beides. Manchmal beneide ich die Frauen ein bisschen, die den ganzen Tag Zuhause bei ihren Kindern bleiben können – das wird oft durch Instagram getriggert – und dann denke ich: warum habe ich nach Olivias Geburt so früh wieder angefangen zu arbeiten? Ich zweifle auch manchmal, ob ich die richtige Entscheidung getroffen haben. Aber am Ende des Tagen glaube ich, dass ich nicht nur Zuhause bei den Kinder bleiben könnte. Ich würde mich wahrscheinlich nach zwei Monaten automatisch in ein neues Projekt involvieren. Ich brauche beides, als Ausgleich, und ich denke das überträgt man auch den Kindern. Ich finde es eigentlich sehr positiv, dass sie sehen, dass man auch andere Interessen und Aufgaben hat.

Vielen Dank für deine Zeit, liebe Julieta!

Julieta trägt die FILA Cage S Sneakers in mint und ihre Tochter Cloe die Liebeskind Berlin LF183780 goat Sneakers Low.